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Vegan für 30 Tage

Vegan für 30 Tage. Das schreit ja völlig nach Hipster. Aber um ehrlich zu sein, spielt der Lifestyle bzw. Trendfaktor bei meiner Herausforderung überhaupt keine Rolle. Aber beginnen wir am Anfang.

Es ist Freitag Abend, ich sage nur #NetflixandChill. Ich habe es mir – nach einem anstrengenden Tag im Büro – auf der Couch gemütlich gemacht. Mit der Fernbedienung in der Hand navigiere ich durch die Vorschläge des Streaminganbieters. Quer durch Serienvorschläge und Filmempfehlungen hindurch . Eine Doku mit dem Titel „What the Health“ weckt irgendwie mein Interesse. Beim Drücken des Play-Buttons hatte ich keine Ahnung, welche Auswirkungen diese 92 Minütige Dokumentation auf mein Leben haben würde.

Eine Doku die mein Leben verändert

Der Dokumentarfilm von Keegan Kuhn zeigt auf, wie schädlich eine tierlastige Ernährung für den Menschen ist. Der Filmemacher zeigt anhand von zahlreichen Studien auf, wie und wo Lebensmittelriesen ihre Finger im amerikanischen Gesundheitswesen im Spiel haben und welche Krankheiten durch welche Lebensmittel stark begünstigt werden können. Die Dokumentation lässt mich mit einem mulmigen Gefühl zurück. Ich denke an das Rührei vom Abendessen – Auslöser für Diabetes, Ostheoporose, Krebs??? Mir ist schlecht! Aber irgendwie bin ich auch nicht überzeugt, aber neugierig.

Kann ich ohne Fleisch, Käse und Eier überleben?

In den kommenden Tagen hinterfrage ich häufiger meine Essgewohnheiten und das, obwohl ich von mir selbst sagen würde, dass ich mich gesund ernähre. Trotz dessen frage ich mich: Warum trinke ich jeden Morgen einen Proteinshake?“ oder „Muss es jetzt wirklich ein belegtes Brötchen sein?“ Nein, eigentlich nicht – oder doch? Auf Fleisch kann ich verzichten, da bin ich mir sicher. Aber Käse und Eier vom Speiseplan streichen? Macht Essen so überhaupt noch Spaß? Das will ich herausfinden. Meine Challenge: Ich ernähre mich 30 Tage vegan. Goodbye geliebter Käse, ade liebe Eier!

 

Challenge accepted – 30 Tage vegan

An Tag 1 beim Frühstück fängt die Veränderung schon an. Normalerweise mache ich mir einen Proteinshake aus WheyProtein und frischen Früchten. Doch das Proteinpulver wird aus Molke hergestellt und ist somit tabu. Was kann ich jetzt essen? Brötchen vom Bäcker? Da muss ich erst mal recherchieren, fällt also raus. Dann gibt es halt Haferflocken mit Sojamilch und ein paar Früchten. Im Büro geht der Spaß genauso heiter weiter. Beim Gang zur Kaffeemaschine fällt mir auf, dass die „normale“ Milch, welche wir uns gemeinschaftlich unter den Kollegen teilen, auch tabu ist. Aber ohne Kaffee komm ich nicht in die Gänge. Vor allem an keinem Montag. Na, dann trinke ich den Kaffee eben schwarz. Finde ich zwar eklig,  aber geht eben nicht anders. Kaum im Büro, spricht mich schon meine Kollegin vom Platz gegenüber an: „Uh, heute keine Milch“. Ich erkläre ihr meinen Plan für die nächsten Wochen und ernte Gelächter. „Bist du irre?“ , „Warum tust du dir das an“ und „Hipsteralarm“ sind nur einige der Sprüche, welche nun auf mich einprasseln. Na super, jetzt auch noch rechtfertigen! Als wäre das hier nicht schon „schön“ genug. Irgendwie entziehe ich mich der Konfrontation, „würge“ meinen Kaffee herunter und beginne mit der Arbeit. 12:00 Uhr – Endlich Mittagspause! Für gewöhnlich gehe ich mit befreundeten Kollege in ein italienisches Restaurant eine Straße weiter oder in unsere Kantine. Aber das kann ich die kommenden Wochen abhacken. Beim Italiener ist heute Pizzabuffet und in der Kantine was veganes zu finden – dann kann ich gleich die Nadel im Heuhaufen suchen. Zum Glück habe ich mir eine vegane Tomatensuppe mitgenommen.

Da ich von dummen Sprüchen heute schon genug habe, verziehe ich mich alleine nach draußen und löffle meine Suppe aus. Vegan mag gesund sein, aber es macht einsam, stelle ich fest! Der restliche Tag ist mit einigen Tassen schwarzen Kaffees, welcher nach und nach zu schmecken beginnt, und Meetings gefüllt, so dass ich gar keine Zeit mehr habe, über meine Challenge nachzudenken. Am Abend kaufe ich frisches Gemüse, Salat und alles was mich durch die nächsten Tage bringen soll ein. Das Abendessen ist kein Problem. Zu Hause kann ich meine Mahlzeiten gezielt vegan zubereiten. Nur außerhalb meiner eigenen vier Wände beginnt es schwierig zu werden.

 

 

Der Tag der Schande

Die nächsten Tage laufen besser. So langsam aber sicher gewöhne ich mich an die Umstellung. Freunde, Bekannte und Kollegen haben alle ihre dummen Sprüche abgeladen und ich habe mittlerweile diesbezüglich ein dickeres Fell. Am Tag 7 bin ich mit Kollegen zum Lunch verabredet. Wir haben vor, zur Kantine eines Möbelhauses gleich nebenan zu gehen. Dort gibt es eine Thaiküche. Asiatisch und vegan geht gut. Habe ich zumindest gehört. Kaum angekommen durchforste ich die Karte. Nach 10 Minuten habe ich mich durch alle Gerichte und ihre Inhaltsstoffe und Allergene gekämpft und endlich ein veganes Wokgericht gefunden. Das ging abgesehen vom Rechercheaufwand ganz einfach. 20 Minuten später kommt die Bedienung mit unserer Bestellung an den Tisch. Ich freue mich auf mein wohlverdientes Mittagessen, doch die Freude währt nicht lange. Ich sehe prompt dass das Wokgericht mit Ei verfeinert wurde. Ich frage höflich bei der Bedienung nach, ob es sich wirklich um Ei handelt und erkläre ihr, dass ich extra alle Inhaltsstoffe gecheckt habe und dort von Ei keine Rede sei. Im ersten Moment ernte ich wieder diesen entsetzen Blick. Der verächtliche Gesichtsausdruck ist mir noch von der Bäckereiverkäuferin gestern morgen vertraut, als ich sie höflich fragte, welche Brötchen denn vegan seien. Die Mittvierzigerin fragt in der Küche nach und erklärt mir daraufhin, dass es sich um ein Versehen handelt und Sie das Gericht gerne entsorgt. Ich hadere mit mir. Essen wegschmeißen – das mag ich gar nicht und irgendwie ist es ja auch quatsch. Ich bin nicht allergisch auf Ei, ich habe 31 Jahre lang Eier gegessen also bringt mich das jetzt auch nicht um. Ich breche meine Challenge und esse das Wokgericht. Ich bin nicht stolz auf mich, aber richtig wäre es auch nicht, wenn das Essen in der Mülltonne gelandet wäre. Im Restaurant zu speisen ist wirklich schwierig. Das merke ich noch zahlreiche weitere Male in den kommenden Wochen. Ein veganes Gericht zu finden – manchmal unmöglich. Oftmals gibt es nur Salat und selbst da muss man Ei, Joghurt-Dressing oder ähnliches noch abbestellen, das macht wirklich keinen Spaß.

 

 

Ich kann nicht, gibt es nicht!

Nach meinem Ausrutscher, für den ich nichts kann – so rede ich mir die Situation noch heute schön – geht es ohne Komplikationen weiter. Ich kann mich immer besser mit der Situation anfreunden und komischerweise fehlt mir außer meinem geliebter Käse nichts. Der Fleischverzicht bereitet mir wie angenommen keine Probleme und auch die geliebten Eier vermisse ich nicht. In den letzten Tagen habe ich viel gelernt. Wo sind versteckte tierische Inhaltsstoffe enthalten? Was ist für mich tabu bzw. wie kann ich es pflanzlich ersetzen? Wer hätte auch gedacht, dass in Laugenbrezeln Schweinefett enthalten ist oder Wein mit Eiweiß geklärt wird. Ich jedenfalls nicht. Der Energieschub, von dem viele nach ein bis zwei Wochen sprechen, bleibt zwar bei mir aus. Aber ich merke auch nicht, dass ich auf weniger Energie zurückgreifen kann bzw. auf Sparflamme laufe. Positiver Effekt ist, dass meine Haut besser ist als je zuvor. Keine Pickel oder Unreinheiten und auch Muskelkater gehört der Vergangenheit an. Egal wie hart ich im Fitnessstudio trainiere, am nächsten Tag geht’s mir gut und ich habe keinerlei Schmerzen in Beinen, Armen oder Co. Nach 3 Wochen finde ich sogar endlich einen veganen Käse, der mir schmeckt. Zahlreiche Versuche mit ungenießbaren gelben Scheiben später bin ich fast im Himmel. Dieses Geschmackserlebnis an einem Samstag Morgen mit lecker Brötchen (vegan natürlich) und Käse in den Tag zu starten ist einfach himmlisch
 

 

Die Reifeprüfung

Kurz vor Ende der Challenge werde ich nochmal auf eine harte Probe gestellt. Ich bin auf einer Geburtstagsfeier eingeladen, einer Grillfeier. Umgeben von Fleisch, Saucen und non-veganen Salaten! Das kann ja heiter werden. Ich kann zwar mittlerweile ohne auskommen aber wenn alle neben mir Ihr Steak, Nudelsalat und Co. genießen und ich am Maiskolben nage…. . Naja! Masochist bin ich nun auch wieder nicht. Ich habe mir geschworen, dass ich keine Unannehmlichkeiten machen will. Ich sage im Vorfeld nicht, dass ich vegan lebe. Ich will mich bewusst genau in diese Situation bringen. Ich weiß, dass meine Familie sehr skeptisch reagieren wird. Vegetarisch kann man machen, aber vegan?!? Auf irgendetwas in der Richtung, gepaart mit Veganer-Witzen muss ich mich einstellen. Naja natürlich gibt es für meine Wenigkeit an sich so gut wie gar nichts zu essen. Weder den Kuchen am Vormittag, noch beim Grill fällt irgendetwas für mich ab. Beim Scan über das Salatbuffet sieht es auch ziemlich mau aus. Kartoffelsalat mit Speck, Nudelsalat mit Mayonnaise. Ich suche mir Salate aus, die dem Anschein nach vegan sein könnten. Ob sie es auch wirklich sind? Keine Ahnung. Ich werde aber hier auch nicht alle aufscheuchen und fragen von wem, welcher Salat ist und ob tierische Lebensmittel verarbeitet wurden. In keiner Situation wie dieser wird mir deutlicher bewusst, wie sehr man für solch einen Lebensstil an den Pranger gestellt wird. Oder bilde ich mir das ein? Am Ende habe ich eben doch an etwas zu knabbern, und das ist eben nichts essbares. Ich bin es leid mich zu erklären und rechtzufertigen. Irgendwie ist man eben Außenseiter. Und ein klein wenig bin ich sogar stolz darauf. Ich sehe mich als Pionier. All jene, die sich über mein Experiment lustig gemacht haben, waren sich in einem einig: „Ich könnte das nicht! Ich könnte nicht ohne …..“ Da bin ich nun schlauer. Ich weiß dass ich es kann! Ich habe es allen gezeigt. Vor allem aber mir selbst. Ich habe auf Dinge verzichtet, bei denen ich dachte, dass sie für mich wichtig sind und Teil meines Lebens sind. Ich habe Angewohnheiten, welche jahrelang gelebt wurden verändert oder eingestellt. Ich habe mich der Meinung anderer ausgesetzt und standgehalten. Mich und meine Einstellung verteidigt, immer und immer wieder. Das macht mich stolz. Meine Komfortzone habe ich verlassen. Nicht unaufhörlich 30 Tage lang, wie ursprünglich angenommen. Man gewöhnte sich nach und nach an die Veränderung. Aber es gab bis zum Schluss diese „unschönen“ Momente.

 

Ich kann nicht, gibt es nicht!

Die Challenge ist seit ein paar Tagen offiziell beendet. Mein Geburtstag läutete das Ende meiner veganen Herausforderung ein. An diesem Tag gab es kein Fleisch aber echten Käse. Und irgendwie war ich über diesen sogar enttäuscht. Ich dachte, dass der Verzehr von gutem italienischem Käse eine Art „Gaumensex“ auslöst. Aber das war nicht der Fall. Ist aber auch nicht weiter tragisch. Ich weiß ja, es geht auch ohne. Fleisch habe ich bis heute nicht gegessen und ich versuche so gut es geht, auf pflanzliche Zutaten zu setzen. Aber eben nicht mehr so streng wie bisher. Gerade beim essen gehen, macht es das leichter. Ist mein Kompromiss feige? Entziehe ich mich so der unbeliebten Konfrontation, weil vegetarisch ja definitiv nichts  „besonderes“ mehr ist? Ja bestimmt, aber darum geht es mir nicht. Die Reaktionen Anderer stört mich nicht. Ich weiß, ich kann damit umgehen. Ich kann für mich und meine Meinung einstehen. Mir geht es letztlich um Genuss! Und das ist doch ein ziemlich guter Grund.

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